Bahnhofstrasse in Zürich: Die Geschäfte liessen sich dreimal vermieten

Die Spitzenmieten an der Bahnhofstrasse sind weiter gestiegen. Dennoch erwirtschaften viele Geschäfte pro Quadratmeter so viel Geld wie sonst nirgends auf der Welt.

Wer nur schon ein Jahr lang nicht mehr durch die Bahnhofstrasse gegangen ist, staunt, was sich dort in relativ kurzer Zeit verändert. Dieses Jahr wird es am Parade­platz zu einigen Wechseln kommen, wie der Retail-Marktbericht des Standortent­wicklers Location Services zeigt. In das bisherige Lokal des Pelzparadieses in der Liegenschaft des Hotels Savoy zieht im Frühling Blancpain ein. Es wird die erste Schweizer Boutique des Uhrenmachers sein. Im Nachbarhaus übernimmt Loro Piana, der weltweit grösste Kaschmirher­steller, das Lokal des Lederwarengeschäfts Mädler. Am Rennweg kündigen sie das Kleidergeschäft American Apparel aus Los Angeles und wohl auch den Juwelier Thomas Sabo an, an der Schützengasse die schwedische Designerin Filippa K.


Mieten erreichen neuen Rekordstand
Nur an wenigen Orten auf der Welt lässt sich pro Quadratmeter allerdings auch so viel Geld verdienen wie an Zürichs promi­nentester Einkaufsstrasse, und dies ob­wohl die Preise auf der Höhe Paradeplatz weiter, auf bis zu 7500 Franken pro Qua­dratmeter und Jahr, gestiegen sind. Nur noch in New York und Hongkong gibt es ähnlich lukrative Standorte, London und Paris liegen bereits hinter Zürich zurück. Wohl ist der Gesamtumsatz an anderen Standorten höher, weil dort aber auch die Läden grösser sind, können die Geschäfte dennoch weniger aus einem Quadratme­ter herausholen.
Die Filiale des noblen italienische Klei­dergeschäfts Ermenegildo Zegna im Licht­hof der Credit Suisse etwa erzielt das beste Ergebnis von allen Filialen des Unterneh­mens – und dies bei weltweit 550 Nieder­lassungen. Das gilt auch für weitere inter­nationale Ketten aus Deutschland und Frankreich, die Filialen im oder um den Hauptbahnhof haben.
Das Warenhaus Globus zählt gar zu den produktivsten der Welt, wie Pressespre­cher Ernst Pfenninger bestätigt. Der Um­satz ist seit 2004 zweimal in Folge um 9 Prozent gestiegen und lag 2006 bei 24 000 Franken pro Quadratmeter. Das Jahresergebnis 2007 wird demnächst prä­sentiert. So viel konnte Geschäftsführerin Janneke de Bruijn aber bereits verraten: «Wir haben ein Bombenjahr hinter uns. Es wird wohl eines der allerbesten in der Ge
schichte unseres Unternehmens.» Damit wird auf einem Quadratmeter im Globus sogar noch mehr umgesetzt als auf einem Quadratmeter in Shop-Ville und Rail City, wo jeden Tag so viele Passanten gezählt werden wie sonst wohl nirgends in der Schweiz. Dort waren es im gleichen Jahr 23 000 Franken pro Quadratmeter. Am Rennweg und um das Bellevue verlangen die Hausbesitzer an den besten Lagen ebenfalls stattliche Mieten, an jene 7500 Franken pro Quadratmeter an der Bahn­hofstrasse kommen sie aber nicht annä­hernd heran: Am Bellevue liegen sie zwi­schen 2500 und 30o0 Franken, am Renn­weg bei maximal 4000 Franken. Das Stras­senbild verändert sich aber nicht nur, weil neue Geschäfte zuziehen, sondern weil in der Zürcher City momentan viele Lokale umgebaut oder renoviert werden.


Migros City vor grossem Umbau
Zwei grosse Baustellen werden dieses Jahr ganz oder teilweise aufgehoben: Jene im NZZ-Haus, wo Candrian Catering mit einer Brasserie sowie Navyboot, Max Mara und die Winterthurer Confiserie Vollen­weider einziehen werden. Im Bellevue­Haus der UBS wird die erste Umbauetappe beendet. Bekannt ist, dass sich dort das Café Schober einmieten wird, weitere Mie­ternamen will die Bank nicht bekannt ge­ben. Die Bahnhofstrasse hat bereits im ver­gangenen Jahr ihr Gesicht wahrnehmbar verändert: Umgebaut und sich vergrössert
haben unter anderem Sprüngli, Cartier oder Navyboot. Eine prominente Baustelle wird in etwa fünf Jahren an der Löwen­strasse eröffnet: Dann wird das Einkaufs­zentrum Migros City, Baujahr 1983, umge­baut und erweitert. Das Siegerprojekt vom Atelier WW sieht vor, den Haupteingang an den Löwenplatz zu verlegen, dort wo heute der Herren Globus eingemietet ist. Aber auch im Innern könnte sich danach einiges verändern, unter anderem sollen die Rolltreppen kaskadenartig in die obe­ren Stockwerke führen. Laut Medienspre­cherin Eve Pfeiffer handelt es sich bei die­sem Projekt jedoch um eine Maximalvaria­nte. In den nächsten fünf Jahren werde die Genossenschaft Migros Zürich ausloten, was auch finanziell realistisch ist.

(Tages Anzeiger vom 7.1.2008, von Janine Hos)

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3 Responses to Bahnhofstrasse in Zürich: Die Geschäfte liessen sich dreimal vermieten

  1. Hetty says:

    Vielleicht wäre Düsseldorf teurer, hätte man die richtige Straße kontrolliert. die heißt nämlich ‘Königsallee’ und nicht ‘Königstrasse’

  2. Dennis says:

    wie kann man denn schreiben das die schildergasse so teuer ist wie die königsstraße in düsseldorf? Und übrigens in Düsseldorf existiert keine Königsstraße sondern nur die Königsallee, und damit die teuerste Einkaufsstraße in Deutschland und Europa.

  3. hans dietiker (didi) says:

    Wir Zürcher sind stolz auf alle exclusiven Geschäfte an der Bahnhofstrasse.
    Leider hat die Vereinigung aber immer noch einige schwarze Schafe unter sich.
    Wer nach 18h30 eines dieser geschätzten Geschäfte betreten möchte, rennt oft verschlossene Türen ein. Der Kunde soll sich bitteschön nach den Oeffnungs-zeiten der Besitzers richten.
    Blindes Lob ist ja gut. Doch wer nach 22h auf Höhe St.Annahof noch ein Tramm besteigen möchte, lernt plötzlich kennen wo die Gewinnzone eines renomierten
    Hauses endet. Dort liegt wirklich nicht nur Geld auf der Strasse. Eine Runde mit
    der Putzmaschiene schmälert anscheinend auch hier die Bilanz.

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