Steuerstandort Schweiz ist fast paradiesisch

Die Schweiz kann sich als Steuer­standort für Unternehmen sehen lassen. Eine Weltbank­Studie setzt sie weltweit auf den 15., in Europa auf den 4. Rang.

Von Bruno Schletti (Tages Anzeiger vom 7.12.2007)

Die Schweiz ist als Steuerland noch attrak­tiver, als man glauben mochte. Das belegt eine Studie, welche die Weltbank in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen Pricewaterhouse­Coopers (PwC) erarbeitet hat. Dabei wur­den die Daten von 178 Ländern erfasst.
Bemerkenswert ist, dass die Erhebung wesentlich tiefer zielt als nur auf die reine Gewinnbesteuerung. Erfasst wird die ge­samte Steuerbelastung der Unternehmen, also auch Abgaben für Sozialversicherun­gen oder beispielsweise Motorfahrzeug­steuern für Firmenautos und Entsorgungs­gebühren.

Kompliziertes System, hohe Kosten
Zusätzlich zu den Steuern selbst wird die Komplexität des Steuersystems bewer­tet. Gewichtet wird der Zeitaufwand, der bei einem Unternehmen rund um die Be­steuerung anfällt und zusätzlich die An­zahl der Steuerzahlungen, die pro Jahr ge­leistet werden müssen. Denn nicht nur die Steuern, sondern auch das Drumherum kostet die Unternehmen Geld. Je einfacher das Steuersystem, desto geringer ist ihr Aufwand.
Andrin Waldburger, Leiter der Steuer­und Rechtsberatung bei PwC Schweiz, sagte gestern bei der Präsentation der Stu­die in Zürich: «Der Steuersatz ist ein wich­tiger Faktor, aber nicht der einzig wich­tige. » Tschechien etwa unterbietet die Schweiz bei der Gewinnbesteuerung der Unternehmen, belastet sie aber mit mehr als doppelt so hohen Sozialversicherungs­abgaben. Mit andern Worten: Tschechien ist auf den ersten Blick ein attraktiver Steuerstandort. Wer die Rechnung aber genau macht, also alle Steuern miteinbe­zieht, lässt sich mit seinem Unternehmen besser in der Schweiz nieder.
Ähnlich ist das Bild, wenn man den Zeit­aufwand für alle Steuerangelegenheiten berücksichtigt. Das der Studie zu Grunde liegende Modellunternehmen kommt in der Schweiz auf einen Steueraufwand von 63 Stunden pro Jahr. In Tschechien sind es 930 Stunden. Damit relativiert sich der tie­fere Gewinnsteuersatz ein zweites Mal.
Um die 178 Steuerstandorte zu benoten, operiert die Studie deshalb mit einer neuen Bewertungsgrösse, die sie Ease of Paying Taxes nennt – die Einfachheit des Steuer­zahlens. Diese Kennzahl basiert auf den drei Indi­katoren Gesamtsteuer­satz, Anzahl Zahlungen und Zeitaufwand. So er­fasst, kommt die Schweiz weltweit auf Rang 15 (siehe Tabelle). Im euro­päischen Standortwettbe­werb platzieren sich nur drei Länder vor der Schweiz – Irland (6.), England (12.) und Dänemark (13.).
Besonders gut schneidet die Schweiz beim Zeitaufwand ab. Mit einer jährlichen Belastung von 63 Stunden belegt sie Rang 6. Von den europäischen Ländern ist nur Luxemburg besser platziert. In Irland, England und Deutschland ist der Aufwand für Unternehmen genauso grösser wie in den USA oder Japan oder auch in den neuen EU-Ländern Tschechien, Slowakei und Ungarn. Trotz der guten Rangierung machen die Spezialisten von PwC für die Schweiz weiteres Verbesserungspotenzial aus. Sie stellen eine gewisse Rückständig­keit bei Online-Deklarationen fest. Im Kanton Zürich etwa ist das für Unterneh­men nicht möglich.
Die Schweiz rangiert selbst dann gut, wenn man den Aufwand rund um die Steu­ern vernachlässigt und sich nur auf die to­tale Steuerbelastung abstützt. Weltweit erreicht sie so Platz 24, in Europa Rang 2 – knapp hinter Irland, das gern als Steuerpa­radies für Unternehmen dargestellt wird. Der SVP genügt das offenbar nicht. Mit einer vom Nationalrat überwiesenen Motion verlangt sie eine Senkung des Gewinnsteuersatzes für Unternehmen von 8,5 auf 5 Prozent.
PwC-Steuerexperte Ar­min Marti spricht dage­gen Lob aus: «Die Schweiz ist ein attraktiver und auch unkomplizierter Steuerstandort.» Betrach­tet man allein den Satz der Gewinnsteuer, liegt die Schweiz zwar etwas über dem Durchschnitt. Zieht man die andern Be­messungsgrundlagen bei, liegt sie klar un­ter dem Schnitt. Andrin Waldburger är­gert sich denn auch ein wenig darüber, dass in der Diskussion um den Steuerwett­bewerb fast immer nur über den Steuer­satz geredet wird. Das gelte für den Steu­erwettbewerb unter den Kantonen. Und selbst die Wirtschaftsförderer seien in die­sem Punkt «ein wenig überfordert».

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