Interessanter Artikel aus der heutigen Sonntags Zeitung: “Prognosen sind eh immer falsch”

Wie die Gründer des Internet-Telefonanbieters Jajah zu Dollarmillionären wurden

VON JEAN-FRANÇOIS TANDA

Der Telefonanbieter Jajah ermög­licht Gratis- und Billiganrufe mit herkömmlichen Festnetz- und Mobiltelefongeräten über das In­ternet. Seit einem Jahr ist die Ri­sikokapitalgesellschaft Sequoia aus dem Silicon Valley am öster­reichischen Unternehmen betei­ligt. Sequoia hat mit seiner Finanz­kraft Yahoo, Google und Apple mit aufgebaut. JaJah hat heute Sitz in Kalifornien und Luxemburg, die Technik befindet sich in Isra­el. Das folgende Interview fand im Gründerbüro in einem Wiener Aussenbezirk statt.

Roman Sharf, wie fühlt es sich an, für unser Gespräch aus dem sonnigen Kalifornien in den Re­gen von Wien zurückzukehren?
Die Stimmung in Wien ist gut. Al­le meine Freunde und Bekannten leben hier. Aber ich bin ein Som­mertyp; mir passt das warme Kli­ma in Kalifornien besser.

Dort leben Sie seit rund einem Jahr dank einer Finanzspritze des Risikokapitalgebers Sequoia. Wie kam das?
Der Sequoia-Partner Michael Mo­ritz beobachtete am Flughafen von Denver einen Mann, der mit No­tebook und Kopfhörer telefonier­te. Moritz bemerkte zu dem Frem­den, er hätte gedacht, Internette­lefonie mit dem bekannten Dienst Skype funktioniere nicht über W­Lan- Datenfunk. Der Mann ant­wortete: «Aber Jajah läuft.» Mo­ritz hat recherchiert und uns ge­funden. Wenige Tage später stan­den die Sequoia-Leute bei uns in Wien. Heute braucht man zum Te­lefonieren mit Jajah weder Note­book noch Kopfhörer.

Wie verlief das erste Treffen
Die Sequoia-Leute waren am An­fang kalt und unnahbar. Als Er­stes unterbreiteten wir ihnen eine Verschwiegenheitserklärung. Sie weigerten sich, zu unterschreiben, und sagten: «Wir sind seit 30 Jah­ren im Geschäft; hätten wir jemals geplaudert, wären wir schon tot.»

Und dann?
Anschliessend legten wir ihnen einen Geschäftsplan vor. Sie blät­terten kurz und sagten: «Wir le­sen keine Businesspläne.» Wir fragten uns: Was wollen die? Sie wollten, dass wir erzählen, wer wir sind, was wir tun und wohin wir wollen. 21 Tage später waren alle Verträge unterzeichnet, Sequoia hat das Geld überwiesen, und wir waren plötzlich eine Firma in Ka­lifornien namens Jajah Inc.

Was erwartet man von Ihnen?
Wir sind für sie ein Milliarden­ Dollar-Pferd im Stall. Sie erwar­ten, dass wir so gross werden wie Skype und Geld verdienen.

Wie viel Zeit haben Sie, um mil­liardenschwer zu werden?
Die Leute im Silicon Valley haben sich abgewöhnt, Prognosen abzu­geben. Sie nutzen nichts und sind eh immer falsch.

Ihr Telefonkonzept wird bereits von anderen Anbietern kopiert.
Das stimmt leider. Es ist allerdings mühsam, die gleiche Infrastruktur aufzubauen, wie wir sie haben. Wir haben 250 Server auf der ganzen Welt und Verträge mit Telecom-Anbietern in 85 Ländern. Das ist eine hohe Einstiegshürde für Konkurrenten. Eine Schwan­gerschaft dauert neun Monate. Man kann keine kürzere kaufen, nicht einmal, wenn man die Frau des schwerreichen Google-Grün­ders
Larry Page ist.

Sequoia hat bereits Google gross gemacht und Page zum Milliardär. Wo stehen Sie?
Sequoia hat uns 3 Millionen Dol­lar bezahlt. Aber Sequoia-Dollars sind mehr wert als das. Sequoia ist sehr hilfreich. Wenn wir sagen, wir müssen nächsten Mittwoch den Apple-Gründer Steve Jobs treffen, dann treffen wir ihn am nächsten Mittwoch. Wollen wir den besten Patentanwalt, bekommen wir ihn. Niemand ist unerreichbar, alles ist möglich.

Ein Investor aus den USA hat Sie entdeckt. Was sagt das über europäische Investoren aus?
Die amerikanische Szene der Risikokapitalgeber ist aus dem Unternehmertum heraus entstan­den. Es sind Unternehmer, die zu Geld gekommen sind und ande­ren die gleiche Möglichkeit geben wollen. Die europäische Branche der Risikokapitalgeber ist ein Ab­leger der Banken. Die Leute kom­men aus der Fremdkapital-Ecke. Wenn ich hier Geld leihen will, muss ich mit meinem Haus bürgen.

Und im Silicon Valley?
Dort verlangen sie überhaupt kei­ne Sicherheiten. Im Gegenteil: Wenn ich von Sequoia 5 Millio­nen Dollar erhalte, kommt am nächsten Tag die Silicon Valley Bank und sagt: «Wir haben uns er­laubt, für euch eine Kreditlimite von vier Millionen Dollar einzu­richten.
»

Was ist Ihr persönliches Ziel?
Wir wollen an die amerikanische Technologie-Börse Nasdaq. Nur wenn ich mir vornehme, in fünf Jahren mit Ebay, Yahoo und Ama­zon ebenbürtig zu sein, habe ich die Chance, auch dahin zu kom­men. Dieses Ziel haben alle, die an unserem Projekt mitarbeiten.

One Response to Interessanter Artikel aus der heutigen Sonntags Zeitung: “Prognosen sind eh immer falsch”

  1. oliver says:

    Wow sehr interessant.

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